SW Check Logo
Technische Bestandsaufnahme der Gasinfrastruktur zur Vorbereitung der Netztransformation
Adressierte Fähigkeiten
  • Bereitstellung grüner Gase
Voraussetzungen

Technische Bestandsaufnahme der Gasinfrastruktur zur Vorbereitung der Netztransformation

Kurzbeschreibung

Die Bestandsaufnahme der Gasinfrastruktur bildet die systematische Datenbasis für alle weiteren Transformationsmaßnahmen im Gasnetzbereich. Ihr Ziel ist eine vollständige, strukturierte Erfassung und Bewertung des technischen Ist-Zustands des Gasverteilnetzes sowie der zugehörigen Betriebs-, Mess- und IT-Systeme. Die Ergebnisse dienen als gemeinsame Entscheidungsgrundlage für die Transformationsstrategie, die Netzentwicklungsplanung, die technische Ertüchtigung sowie die Priorisierung von Rückbau- oder Umbaumaßnahmen. Im Zentrum steht die technische Erfassung des Netzbestands: Leitungen nach Material, Alter, Nennweite und Druckstufe; Regel- und Messstationen; Armaturen, Schieber und Absperreinrichtungen; Einspeisepunkte und Übergabestellen zum vorgelagerten Netz. Die Erhebung stützt sich auf vorhandene GIS-Daten, Leitungskataster und Bestandspläne, ergänzt durch Vor-Ort-Prüfungen und Inspektionsprotokolle. Besonderes Augenmerk gilt der Materialverträglichkeit hinsichtlich alternativer Gasqualitäten (insbesondere Biomethan und Wasserstoff), da Dichtungen, Beschichtungen und Rohrmaterialien unterschiedliche Toleranzen gegenüber veränderten Gasqualitäten aufweisen. Die Erfassung orientiert sich am DVGW-Regelwerk. Neben der physischen Netzstruktur werden auch die Betriebsprozesse und Schutzkonzepte bewertet: Welche Überwachungs-, Steuerungs- und Notfallkonzepte sind vorhanden? Entsprechen sie den aktuellen normativen Anforderungen? Dabei wird auch die IT- und OT-Infrastruktur (SCADA, Leitsystem, Zähler- und Messdatensysteme) hinsichtlich ihres Ist-Zustands und ihrer Eignung für künftige digitale Betriebsanforderungen eingeschätzt. Die Bestandsaufnahme schließt eine erste Schwachstellen- und Risikoidentifikation ein: Leitungsabschnitte mit erhöhtem Korrosionsrisiko, Materialien mit eingeschränkter Zukunftsfähigkeit, Messpunktlücken oder veraltete Regelstationen werden dokumentiert und einer Erstbewertung unterzogen. Diese Befunde werden in einer priorisierten Mängel- und Handlungsbedarfsliste zusammengeführt, die als strukturierter Input für die nachgelagerten Maßnahmen dient – ohne jedoch selbst Entscheidungen über Strategie, Investitionen oder Rückbau vorwegzunehmen. Das Ergebnis der Bestandsaufnahme ist ein aktueller, vollständiger und digital verfügbarer Netzsteckbrief, der den Ausgangszustand des Gasnetzes transparent dokumentiert und eine konsistente Datenbasis für Wirtschaftlichkeitsanalysen, Transformationsplanung und Fördermittelanträge bereitstellt.

Aufwand
Personeller Aufwand
mittel
Zeitlicher Rahmen
mittel
Komplexität
mittel
Ressourcen

Personelle Ressourcen:

  • Projektleitung/Koordination
  • Technische Fachkräfte aus Netzplanung und Netzbetrieb

Materielle Ressourcen:

  • GIS-Software mit aktuellen Kartengrundlagen
  • Inspektionsausrüstung für Vor-Ort-Begehungen (ggf. Kanalroboter, Leckagedetektionsgerät)
  • Datenerfassungstools (mobile Endgeräte, Feldformulare)
  • Dokumentenmanagement-System für Bestandspläne und Protokolle
  • Ggf. Drohnen oder Kamerasysteme für schwer zugängliche Bereiche
Möglicher Ablauf
  1. Vorbereitung und Datensammlung (Sichtung und Bewertung vorhandener Datenquellen, Definition von Erhebungsumfang und Methodik, Aufbau einer Datenstruktur/Erhebungsvorlage)
  2. Technische Bestandserhebung
  3. Auswertung und Bewertung (Plausibilitätsprüfung und Bereinigung, Identifikation von Handlungsbedarfen, Risikobewertung)
  4. Dokumentation (Erstellung von Netzsteckbriefen, GIS-Aktualisierung, Ergebnispräsentation)
Risiken
  • Lückenhafte oder fehlerhafte Bestandsdaten in GIS und Leitungskatastern führen dazu, dass die Bestandsaufnahme aufwändige Nacherhebungen erfordert und sich der Zeitplan erheblich verzögert
  • Durch fehlende Standardisierung der Erhebungsmethodik oder unklare Zuständigkeiten entstehen inhomogene Datensätze, die eine einheitliche Auswertung und Vergleichbarkeit zwischen Netzabschnitten erschweren
  • Unvollständige Vor-Ort-Begehungen aus Kapazitätsgründen führen dazu, dass Schwachstellen in kritischen Netzabschnitten nicht erkannt werden und nachgelagerte Maßnahmen auf unvollständiger Datenbasis geplant werden.
Erfahrungen aus der Praxis