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Technische Ertüchtigung des Gasverteilnetzes für den Wasserstoffbetrieb (H₂-Readiness)
Adressierte Fähigkeiten
  • Bereitstellung grüner Gase
Voraussetzungen

Bestehende Gasnetz‑Infrastruktur (Niederdruck‑ und/oder Hochdrucknetz); Technische Bestandsaufnahme des Netzes inkl. Materialdaten und Druckregelanlagen; Vorliegende Strategie zur Transformation des Gasnetzes mit Entscheidung, welche Netzsegmente für H₂ ertüchtigt werden sollen

Kurzbeschreibung

Die Maßnahme umfasst die technische Ertüchtigung des bestehenden Gasverteilnetzes, um einen steigenden Anteil an Wasserstoff – von der initialen Beimischung bis hin zu reinem H₂ – sicher, regelkonform und effizient einspeisen, transportieren und verteilen zu können. Sie setzt unmittelbar auf den Ergebnissen der Bestandsaufnahme Gasinfrastruktur sowie der Strategie zur Transformation des Gasnetzes auf und überführt diese in konkrete bauliche und technische Umsetzungsschritte am Netz. Ausgehend von den Ergebnissen der Bestandsaufnahme werden netzsegmentspezifisch technische Anpassungen geplant und umgesetzt. Dazu zählen der Austausch oder die Ertüchtigung von Rohrmaterialien, Armaturen, Dichtelementen und Druckregelstationen sowie die Anpassung der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik (MSR) und die Installation von H₂-geeigneten Sicherheits- und Leckageüberwachungssystemen. Alle Maßnahmen orientieren sich am einschlägigen DVGW-Regelwerk sowie an den Anforderungen der Technischen Regel für Gasinstallationen (TRGI) und sind mit der zuständigen Regulierungsbehörde abzustimmen. Ein abgestufter Transformationspfad ist empfehlenswert: beginnend mit einer Beimischung im regulatorisch zulässigen Rahmen (derzeit bis zu 20 Vol.-% H₂ im Erdgasnetz nach DVGW G 262), über höhere Beimischanteile bis hin zu einem reinen H₂-Betrieb einzelner Netzsegmente. Die Einrichtung von Pilotabschnitten ermöglicht es, technische Erfahrungen unter realen Bedingungen zu gewinnen, Risiken frühzeitig zu erkennen und das Vertrauen bei Stakeholdern zu stärken. Bestehende Demonstrationsprojekte in Deutschland – etwa im Rahmen des DVGW-Innovationsprogramms Wasserstoff oder regionaler H₂-Testnetze – können als Referenz dienen. Neben der Netzinfrastruktur selbst sind angeschlossene Kundenanlagen (Heizgeräte, Gewerbe- und Industrieanlagen) ein zentraler Erfolgsfaktor: Nicht alle derzeit installierten Gasgeräte sind wasserstoffverträglich, weshalb eine frühzeitige Abstimmung mit Endkunden und gegebenenfalls unterstützende Maßnahmen zur Geräteumrüstung eingeplant werden sollten. Ebenso ist die Koordination mit dem vorgelagerten Netzbetreiber (Fernleitungs- oder vorgelagertes Verteilnetz) hinsichtlich Einspeisemengen, Gasqualität und Druckvorgaben sicherzustellen. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Investitionen sollte durch eine belastbare Kosten-Nutzen-Analyse untermauert werden, die auch verfügbare Förderprogramme einbezieht. Angesichts bestehender Unsicherheiten beim H₂-Markthochlauf und konkurrierender Dekarbonisierungspfade (z. B. Ausbau von Wärmenetzen, Elektrifizierung) empfiehlt sich eine modulare und möglichst reversible Investitionsplanung, um strategische Flexibilität zu wahren und Stranded-Asset-Risiken zu begrenzen.

Aufwand
Personeller Aufwand
hoch
Zeitlicher Rahmen
hoch
Komplexität
hoch
Ressourcen

Personelle Ressourcen:

  • Projektleitung für Koordination und Stakeholdermanagement
  • Fachkräfte aus Netztechnik/Planung/Bau/MSR
  • Fachplaner Wasserstofftechnik
  • Sicherheitsbeauftragte und Rechtsabteilung
  • Ggf. externe technische Berater und Sachverständige

Materielle Ressourcen:

  • H₂-kompatible Rohrmaterialien und Armaturen
  • Prüf‑ und Messgeräte (z. B. Leck‑ und Druckmesssysteme)
  • Ersatzteile/Materialien für Netzumbau
  • Software für Simulationen & Dokumentation
Möglicher Ablauf
  1. Vorbereitung und Planung (Auswertung Bestandsanalyse und Gasnetzstrategie, Festlegung von Pilotnetzsegmenten, technische Konzeptionierung)
  2. Genehmigung und Beschaffung
  3. Pilotimplementierung (Netzumbau, Abnahme und Inbetriebnahme)
  4. Evaluation und Rollout)
Risiken
  • Verzögerungen oder Änderungen im regulatorischen Rahmen (z. B. DVGW-Grenzwerte für Beimischungsanteile, EnWG-Novellen) können dazu führen, dass bereits umgesetzte technische Lösungen nachgerüstet oder ersetzt werden müssen
  • Ein schleppender Wasserstoff-Markthochlauf führt dazu, dass ertüchtigte Netzsegmente mangels verfügbarer H₂-Mengen nicht wie geplant genutzt werden können und Investitionen nicht refinanzierbar sind
  • Nicht H₂-verträgliche Kundenanlagen (Heizgeräte, Industriebrenner) bei angeschlossenen Endkunden führen dazu, dass eine Erhöhung des H₂-Anteils blockiert wird oder Haftungsrisiken für das Stadtwerk entstehen
  • Fehlende oder unzureichende Koordination mit dem vorgelagerten Netzbetreiber führt zu Inkonsistenzen bei Gasqualität und Druckvorgaben, die den sicheren Betrieb des ertüchtigten Segments gefährden
  • Vorbehalte bei Kunden und Stakeholdern über Sicherheit/Netzänderungen
Erfahrungen aus der Praxis