SW Check Logo
Einführung eines Regionalstromtarifs
Adressierte Fähigkeiten
  • Vertrieb grünen Stroms
  • Community Engagement für die Energiewende
  • kommunale Vernetzung
Voraussetzungen

Regionale Erzeugungsanlagen; Abrechnungssystem, das eine getrennte Tarifabbildung und Stromkennzeichnung unterstützt

Kurzbeschreibung

Die Maßnahme „Einführung eines Regionalstromtarifs" ermöglicht es Stadtwerken, Strom aus regionalen Erzeugungsanlagen gezielt an Endkunden zu vermarkten und sich damit gegenüber überregionalen Anbietern zu differenzieren. Im Unterschied zu klassischen Ökostromtarifen, deren Herkunftsnachweise häufig aus entfernten Regionen (z. B. skandinavische Wasserkraft) stammen, macht ein Regionalstromtarif die Erzeugung vor Ort nachvollziehbar und stärkt die lokale Wertschöpfung. Die Kennzeichnung erfolgt auf Basis des Regionalnachweisregisters des Umweltbundesamtes, das Erzeugung und Verbrauch innerhalb eines definierten Radius (in der Regel 50 km) einander zuordnet. Ausgangspunkt sind häufig eigene Erzeugungsanlagen der Stadtwerke (z. B. PV-Freiflächenanlagen, Windparks, Bürgerenergieanlagen) oder langfristige Stromlieferverträge (Power Purchase Agreements) mit regionalen Erzeugern. Die Einführung des Tarifs berührt mehrere Unternehmensbereiche: Die Beschaffung muss regionale Mengen sichern und ins Portfoliomanagement integrieren, der Vertrieb entwickelt ein eigenständiges Produkt mit entsprechender Preisgestaltung, und die Abrechnung bildet die Zuordnung von regionaler Erzeugung und Verbrauch über Mess- und Bilanzierungsprozesse ab. Typischerweise wird ein moderater Aufpreis gegenüber dem Standardtarif erhoben, der die regionale Herkunft und die damit verbundene Transparenz abbildet. Voraussetzungen sind eine geeignete IT-Unterstützung zur Zuordnung von Erzeugungs- und Verbrauchsdaten, die Registrierung im Regionalnachweisregister, rechtliche Klarheit zur Tarifgestaltung sowie Datenschutz- und Verbraucherschutzkonformität. Die Abstimmung zwischen Vertrieb, Beschaffung, Abrechnung und Compliance ist essenziell. Darüber hinaus braucht es eine überzeugende Kundenkommunikation, die Regionalität greifbar macht, z.B. durch Anlagen-Steckbriefe, Live-Einspeisedaten auf der Website oder Besichtigungsangebote für Kund:innen. Die Vorteile liegen in einer stärkeren Kundenbindung durch Transparenz und regionale Identifikation, einer verbesserten Marktpositionierung gegenüber überregionalen Wettbewerbern sowie einer geringeren Abhängigkeit von kurzfristigen Großhandelspreisen bei PPA-basierter Beschaffung. Zudem kann der Tarif Anreize schaffen, in weitere lokale Erzeugungsanlagen oder Speicherlösungen zu investieren, und kommunale Klimaschutzziele sichtbar unterstützen. Je nach Ambitionsniveau kann der Regionalstromtarif als Einstiegsprodukt gestaltet werden oder als Vorstufe weitergehender Modelle wie Mieterstrom oder Energy Sharing dienen.

Aufwand
Personeller Aufwand
mittel
Zeitlicher Rahmen
mittel
Komplexität
mittel
Ressourcen

Personelle Ressourcen:

  • Projektmanagement zur Koordination und Planung
  • Fachkräfte aus Beschaffung/Portfoliomanagement
  • Personal zur Stakeholder-Koordination
  • Marketing und Vertriebspersonal
  • Fachkräfte aus IT/Abrechnung zur Tarifabbildung
  • Rechtsabteilung zur Prüfung regulatorischer Anforderungen und Vertragsgestaltung

Materielle Ressourcen:

  • Zugang zum Regionalnachweisregister
Möglicher Ablauf
  1. Konzeption und Prüfung (Zieldefinition, Bestandsaufnahme, Rechtliche Prüfung, Preismodell)
  2. Technische Umsetzung
  3. Markteinführung
  4. Betrieb und Weiterentwicklung
Risiken
  • Unzureichende regionale Erzeugungsmengen führen dazu, dass der Tarif nicht für alle interessierten Kunden angeboten werden kann
  • Ein zu hoher Aufpreis führt zu geringer Kundenakzeptanz und niedrigen Abschlusszahlen
  • Fehlende Sichtbarmachung der Regionalität (z. B. keine Anlagen-Steckbriefe, keine Visualisierung) führt dazu, dass Kunden den Mehrwert gegenüber einem normalen Ökotarif nicht erkennen
  • Fehlendes Alleinstellungsmerkmal, wenn Wettbewerber vergleichbare Regionalprodukte auf den Markt bringen
  • Fehlende regionale Mengen bei Anlagenausfall oder Vertragsende durch Abhängigkeit von wenigen regionalen Erzeugern.
Erfahrungen aus der Praxis