
Verfügbarkeit historischer Betriebsdaten
Eine systematische Bestandsaufnahme der aktuellen Stromerzeugung ist ein zentraler erster Schritt für die strategische Ausrichtung eines Stadtwerks im Rahmen der Energiewende. Sie dient dazu, den aktuellen Anteil erneuerbarer Energien zu bestimmen, Ausbaupotenziale zu identifizieren und fundierte Investitionsentscheidungen vorzubereiten. Die Maßnahme umfasst die vollständige Inventarisierung aller eigenen Stromerzeugungsanlagen (z. B. Photovoltaik auf kommunalen Dächern, Windkraftanlagen, Wasserkraft, Biomasse-HKW, BHKW) sowie von Beteiligungen an externen Erzeugungs¬projekten. Für jede Anlage werden zentrale Kennzahlen erhoben: installierte Leistung, tatsächliche Jahresarbeit, Volllaststunden, Anlagenalter, technischer Zustand, Restlebensdauer und Ausfallraten. Bei KWK-Anlagen ist die gekoppelte Wärmeerzeugung zu dokumentieren, da sie die Einsatzplanung und Wirtschaftlichkeit auf der Stromseite maßgeblich beeinflusst. Ergänzend wird die dezentrale Einspeisung Dritter ins eigene Verteilnetz erfasst, um ein vollständiges Bild der lokalen Erzeugungssituation zu erhalten – hier agiert das Stadtwerk in seiner Rolle als Netzbetreiber. Wichtige Datenquellen sind Leitsysteme (z. B. SCADA), Zählerinfrastruktur, Wartungsjournale, Einspeiseverträge sowie Genehmigungs- und Umweltberichte. Im Zuge der Erhebung werden auch Lücken in der digitalen Erfassung sichtbar – etwa fehlende Anbindung älterer Anlagen an Leitsysteme, unzureichende Datenqualität oder das Fehlen eines integrierten Energiemanagementsystems. Diese Erkenntnisse liefern konkrete Handlungsbedarfe für die Digitalisierung. Auf Basis der erhobenen Daten erfolgt eine Bilanzierung: Es wird berechnet, welcher Anteil des lokalen Verbrauchs durch eigene oder lokale Erzeugung gedeckt wird, und es werden Lastprofile mit Erzeugungsprofilen abgeglichen, um Flexibilitäts- und Speicherbedarfe zu identifizieren. Zusätzlich wird die CO₂-Intensität des Erzeugungsportfolios ermittelt und mit kommunalen Klimaschutzzielen oder Branchenbenchmarks (z. B. VKU-Kennzahlen) verglichen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Anlagen, deren EEG-Vergütung ausläuft (Ü20-Anlagen), sowie Anlagen mit Repowering-Potenzial. Ergebnis der Maßnahme ist ein dokumentiertes Erzeugungsportfolio mit den genannten Kennzahlen, das als Entscheidungsgrundlage für den weiteren EE-Ausbau, Repowering-Vorhaben und Speicherinvestitionen dient. Voraussetzungen sind Zugangsrechte zu allen relevanten technischen und kaufmännischen Systemen sowie ein interdisziplinäres Team aus Anlagentechnik, Datenanalyse und Betriebsführung. Der zentrale Vorteil liegt darin, dass Investitions- und Desinvestitionsentscheidungen auf einer belastbaren, aktuellen Datenbasis getroffen werden können, anstatt auf fragmentiertem Erfahrungswissen einzelner Abteilungen zu beruhen.